Malerei im Mittelalter und ihre religiöse Intention

Man mag es kaum glauben, aber die mittelalterliche Malerei war eine Revolution in deutschen Gebieten. So wie heute Wandtattoos eine Wohnung verändern können, waren die Bilder in den Kirchen im Zeitalter der Gotik eine völlig neue Erfahrung für die Menschen. Zwar kannte die Antike schon farbenfrohe Bilder in Gebäuden aller Art, aber im Mitteleuropa des 12. Jahrhunderts wurde gerade erst die Romanik abgelöst deren massiver Baustil und schlichte Ausgestaltung wenig Raum für Sinneseindrücke boten. Das Bildhafte war auf den Altar in den Kirchen beschränkt, das öffentliche Leben wurde durch die Kirchen bestimmt. Auch in der Gotik blieb dies unverändert, aber die Kirchen erweiterten sich zu beeindruckenden Bauten.

Die wehrhafte Fassade der romanischen Kirchen wurde durch große Fenster abgelöst, die fast die gleiche Länge wie die hohen Pfeiler hatten und um ein Vielfaches breiter waren. Diese riesigen Flächen wurden für bunte Glasmalereien genutzt, die den Inhalt der Bibel visualisierten. Zum einen wurde den nicht alphabetisierten Menschen das religiöse Gedankengut per Bild vermittelt, zum anderen wurde durch das einfallende Licht eine Farbwirkung entfaltet, die den Menschen damals wie heute eine fantastische Impression bot. Damit erhöhten sich auch die Wirkung des Glaubens und die persönliche Empfindung.

Malerei durch religiöse Intention und menschliches Handeln

Die christlichen Werte waren Lebensgebot für die Menschen und erhielten durch die mittelalterliche Malerei einen sinnlichen Ausdruck, denn die abstrakte Beschreibung durch das Wort liefert zwar die Logik, aber über die Kunst nehmen die Menschen Werte auch auf der emotionalen Ebene auf. Damit erhalten sie eine viel stärkere Wirkung als es die ständige Wiederholung von Vorschriften erreichen kann. In den Bildern ließen sich Glaube, Hoffnung oder Liebe viel besser darstellen, und ihre Überzeugungskraft führte dazu, dass sich zunehmend mehr Bilder in den Kirchen befanden. Im Barock erreichte diese Entwicklung schließlich ihren Höhepunkt indem die bildhafte Ausgestaltung des Kirchenraumes alle anderen Eindrücke überlagerte.

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