Begraben: Stuhlweißenburg
Einziger Sohn des Großfürsten
Geisa von Ungarn aus seiner 1. Ehe mit der Zarolta
von Siebenbürgen, Tochter von Fürst Gyula
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 112
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Stephan I. (Istvan)der Heilige, Großfürst
(997-1000), König von Ungarn (1001-1038)
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* um 970, + 15. August 1038
Begraben: Stuhlweißenburg
Sohn des Großfürsten Geza und seiner Gattin Sarolt, Tochter des Guyla von Siebenbürgen
Geboren als Vajk (wohl von türkisch bay, ‚Held, Herr‘).
Stephan I. der Heilige
wurde jung – der Legende nach von Bischof Adalbert von Prag – getauft und
994/95 mit Gisela, der Tochter Heinrichs
II. von Bayern, vermählt. Nach dem Tod des Vaters mußte
er sich zunächst gegen den zum Heidentum tendierenden Oheim Koppany,
der dem Seniorat und Levirat entsprechend die Herrschaft und die Hand der
Fürstenwitwe beanspruchte, behaupten. Ihn besiegte
Stephan mit Hilfe bayerischer Herren, die ihn vor der Schlacht
zum Ritter schlugen, bei Veszprem. 1000/01 erhielt er von Papst Silvester
II., mit Zustimmung Kaiser OTTOS III.,
Krone und Segen und wurde somit zum Begründer des christlichen Königreiches
Ungarn. Die vom Papst gesandte Krone ging wohl in den Thronwirren nach
seinem Tode verloren (Stephanskrone). Den Widerstand von Stammesfürsten
brach Stephan I. der Heilige ebenfalls
mit Hilfe von westlichen Rittern und ungarischen Getreuen: Guyla, Fürst
von Siebenbürgen, besiegte er um 1003, später den aufständischen
Fürsten Ajtony. Um 1010 wurde der NO des Landes vom Polen-König
Boleslaw I. Chrobry, mit dem Süden dann gegen Kiev zog,
zurückerobert. Mit einem Ehebündnis (1009) mit dem venezianischen
Dogen Otto Orseolo begann eine Annäherung an Byzanz; in den 1010-er
Jahren kämpfte Stephan I. gemeinsam
mit Kaiser Basileios II. gegen Bulgarien,
und seit 1018 eröffnete er die durch Byzanz führende Pilgerstraße
nach Jerusalem, wo er auch ein Hospiz gründete. Das Verhältnis
zum Reich war nach dem Tod des Schwagers gespannt, doch ungarische Truppen
wehrten die Angriffe KONRADS II., der
auf Ungarn Lehensansprüche erhob, um 1030 erfolgreich ab. Beginnend
im gesicherten Westen, dann auf das ganze Kerngebiet Ungarns übergreifend,
organisierte Stephan I. die Kirchenverfassung
und das Königsgut. Zwei Erzbistümer (Gran, Kalosca) und sechs
oder acht Bistümer sowie mehrere Abteien (mit der benediktinischen
Erzabtei Pannonhalma/Martinsberg an der Spitze, aber nicht ausschließlich
lateinischer Observanz) gehen auf ihn zurück. Stephan
I. verpflichtete jeweils zehn Dörfer, ein Pfarrkirche zu
errichten, die der König ausstattete. Aus dem Besitz der Fürstensippe
und dem (etwa zu zwei Dritteln) von den anderen Sippen konfiszierten Land
entstanden die ersten königlichen Burgbezirke (Komitate) und Grenzgespanschaften
mit dem vom König ernannten Gespanen (ispan, comes) an der
Spitze, zugleich als Netz königlicher Verwaltung. Stepahns Gesetze
(heute aus späteren Materialsammlungen als zwei "Bücher" bekannt)
wurde anscheinend von dem König und den Großen (im Text "senatus"
genannt) bei zahlreichen Treffen erlassen und beziehen sich - teilweise
auf karolingische Vorbilder gestützt - auf die Festigung des Christentums,
des Privateigentums, der monarchischen Macht, der Kirchenordnung (einschließlich
des Zehnten) und der königlichen Gerichtsbarkeit. Ein Fürstenspieghel
("Institutio morum"), als Mahnung an den Sohn Emmerich
(Imre, Heinrich) gerichtet, wird ihm ebenfalls zugeschrieben.
Die königliche Münze wurde eingeführt, und die wenigen (von
den bekannten zehn wohl vier oder fünf) echten Urkunden lassen auf
eine rudimentäre Hofverwaltung schließen. Die Existenz eines
Pfalzgrafen, Hofrichters und Schatzmeisters ist auch bezeugt. Das System
königlicher Dienstleute, die in eigenen Siedlungen wohnten und besonderen
Verpflichtungen an den König hatten, bildete auch unter
Stephan die Grundlage der Hofhaltung. Esztergom/Gran blieb königliche
Residenz, aber nach der Eröffnung der Pilgerstarße trat Stuhlweißenburg
in den Vordergrund. Nach dem Tod des Thronfolgers
Emmerich 1031 plagte den alten und kränkelnden König
die Nachfolgefrage. Er bestimmte seinen venezianischen Neffen, Peter
Orseolo, zum Thronerben, der wahrscheinlich auch der russisch-normannischen
Leibgarde vorstand, und ließ seinen, vielleicht eher nach Byzanz
orientierten und nach der Üerlieferung eine Rebellion anzettelnden
Verwandten Vazul (Basil) blenden. Daraufhin
flohen dessen Söhne (oder Neffen) nach Polen; sie wurden nach 1046
zu den Ahnen aller späteren ungarischen Könige. Ein idealisiertes
Porträt Stephans blieb auf dem
ungarischen Krönungsmantel - ursprünglich ein von Königin
Gisela gestiftetes Pluviale - erhalten; auf ihm ist er gekrönt
und mit Königslanze dargestellt.
Stephans Kult begann
wohl bald nach seinem Tod. Auf Betreiben Ladislaus'
I. wurde er - zusammen mit seinem Sohn und dem Missionsbischof
und Märtyrer Gerhard von Csanad - 1083 heiliggesprochen. Die im Grab
"unversehrt aufgefunden" rechte Hand (ursprünglich wohl ein Arm) wurde
zur Reliquie und ist bis heute erhalten; eine Kopfreliquie war noch 1440
in Stuhlweißenburg vorhanden, doch ist sie heute verschollen. Bereits
um 1100 bezog man sich auf die Donationen des "heiligen Königs" als
Grundlage grundherrlichen Besitzes und seit dem 13. Jh. (Goldene Bulle
König Andreas' II. von 122) galten die "Freiheiten des Landes" als
die von ihm gestifteten.
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Er hieß eigentlich Wojk und erhielt den
Namen Stephan 995 bei der Taufe. Er
schlug die letzten heidnische Rebellionen nieder und besiegte den nach
der Herrschaft strebenden ARPADEN Koppany
998 bei Veszprem. Er unterwarf Siebenbürgen und wurde 1001 König
von Ungarn. Papst Sylvester II. schickte ihm eine Königskrone, die
sogenannte Stephanskrone, und Stephan
krönte sich am 17.8.1001 selbst zum König. Es entstanden die
Erzbistümer Gran und Kolocsa, dazu 10 Suffraganbistümer, eine
Staatskirche karolingischer Prägung stand stark unter cluniazensischen
Einfluß. Er richtete sich nach dem Westen aus, verlor Mähren
an den polnischen Schwager und schuf die Komitatsverfassung mit Gespanschaften
auf Sippenbasis. Er eroberte mit byzantinischer Hilfe Slawonien von Kroatien,
half Byzanz gegen Bulgarien, gewann die Leithamark von Bayern und stritt
darum und um seine Ansprüche in Bayern mit Kaiser
KONRAD II., den er im Juli 1030 erfolgreich abwehren konnte.
Er richtete einen königlichen Rat ein und ordnete Finanzen und Rechtswesen
nach westlichem Vorbild.
1083 wurde er von der katholischen Kirche heiliggesprochen.
Lechner Karl: Seite 60,69,
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"Die Babenberger"
Fürst Geza (Geisa)
ließ seinen Sohn Waik taufen, der seitdem den Namen Stephan
trug. Geza hatte durch die Heirat seines
Sohnes Stephan mit Gisela,
der Schwester Herzog Heinrichs von Bayern,
die enge Verbindung nicht nur mir Bayern, sondern in der Folge auch mit
dem Reich und so die Eingliederung in das Imperium eingeleitet. Wie in
Polen Gnesen, so wurde in Ungarn in Gran im Jahre 1000 ein Erzbistum errichtet
und ein Suffraganbistum in Raab. Wie in Polen überantwortete auch
Stephan
- er war 1001 zum König gekrönt worden - sein Land dem Papst
Silvester und empfing von ihm die Königskrone. Stephan
führte die Grafschafts-(Komitats)verfassung ein und übernahm
viele wirtschaftliche, soziale und rechtliche Elemente aus den angrenzenden
westlichen Gebieten. Sein Gesetzbuch hielt sich vielfach an das bayerische
Recht. Während schon unter König Stephan
aus Grenzkämpfen größere Kriege mit dem Reich entstanden
waren, gab es nach Stephans Tod Erbschafts-
und Nachfolgestreitigkeiten, in deren Verlauf sich eine heidnische Reaktion
bildete.
König Stephan
hatte im großen und ganzen das langsame Vordringen in Gebiete an
seiner W-Grenze geduldet. Als aber eine politische Konstellation Ungarn,
Kroatien und Venedig näher zusammenführte, mußte Kaiser
KONRAD II. für das Reich und besonders für Bayern,
auf das ja schließlich auch Stephan namens seiner Gattin Gisela Erbansprüche
erheben mochte, eine Gefahr erblicken, die er für die Zukunft zu bannen
suchte. Andererseits fürchtete Stephan die Aufnahme einer möglichen
Verbindung des Reiches mit dem nach Westen vordringenden Byzanz. Grenzstreitigkeiten
kamen dazu, an denen Bayern und die Mark besonders beteiligt waren. Das
stete Vorrücken bis zur Leitha und darüber hinaus veranlaßte
Gegenmaßnahmen König Stephans,
der seinerseits in die Mark einfiel. Der darauffolgende Heerzug Kaiser
KONRADS nach Ungarn (1030) blieb nicht nur erfolglos - die Ungarn
hatten sich in die Wälder und Sümpfe nahe des Neusiedlersees
sowie an der Raab und der Rabnitz zurückgezogen und das ermüdete
deutsche Heer immer wieder belästigt und geschwächt - sondern
beim Rückzug erlitt das bereits durch Hunger ermattete Reichsheer
eine Niederlage. Genauer gesagt, es wurde in Wien gefangen genommen. In
dem darauffolgenden Friedensschluß, den der Sohn des Kaisers,
König HEINRICH, zugleich Herzog von Bayern, ohne Wissen
seines Vaters vermittelte, wurde der Grenzstreifen im Osten der Mark zwischen
Fischa und Leitha an Ungarn abgetreten.
995
oo Gisela von Bayern, Tochter Heinrichs II. des
Zänkers
ca 984-9.5. nach 1060
Eventualerbin von Bayern
Kinder:
Emerich der Heilige
1007-2.9.1031
Agathe
-
oo Eduard Prinz von England, Sohn Edmunds II.
-
Literatur:
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Magyaren. Geburt einer Nation. Corvina Kiado Budapest Seite 23-32 - Boshof,
Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987,
Seite 34,53,64,75,120,230 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan
Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 34-36,168/Band III
Seite 266,497 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und
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Seite 151,154 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund.
Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München
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Feldherr und Mäzen. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 17,74,230,261,268
- Homant Balint: König Stephan I. der Heilige. Die Gründung
des ungarischen Staates - Lazar Istvan: Kleine Geschichte Ungarns.
Österreichischer Bundesverlag Wien 1990 Seite 52,64,71, 75,80,86,
228 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von
Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992,
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um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen
Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995,
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Pohl Walter: Die Welt der Babenberger.
Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite
69,71,98,283 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales
Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 284-286,338,379,393
- Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe,
Seite 174,244,442 -
Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024)
Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite
90,180
- Wolfram, Herwig: Konrad II. 990-1039. Kaiser dreier Reiche. C.H.
Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 2000 Seite 69,104,128,216,220,226,232,237,246-251,253,255
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