Begraben: Granada
Einziger Sohn des Kaisers MAXIMILIAN
I. aus dem Hause HABSBURG
und der Maria von Burgund, Tochter
von Herzog Karl dem Kühnen
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2070
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Philipp der Schöne, Erzherzog, Fürst der Niederlande
(Burgund)
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* 22. Juni 1478, + 26. September 1506
Brügge
Burgos
Sohn von MAXIMILIAN I. und Maria, Herzogin von Burgund, Erbtochter Karls des Kühnen
Die Öffentlichkeit der burgundischen Niederlande
begrüßte Philipps Geburt
als die des angestammten Fürsten (‚prince naturel‘). Nach dem frühen
Tod der Mutter (1482) brach zwischen MAXIMILIAN
und den ‚Staten‘ (Ständen) von Flandern der offene Konflikt aus, da
vor allem die Vertreter Gents dem HABSBURGER
die Vormundschaftsrechte vehement bestritten. Infolge des Friedens von
Arras (23. Dezember 1482) wurde Philipp der Schöne
am 10. Januar 1483 (im Juli in Brügge) als Graf von Flandern eingesetzt.
Als es im Oktober 1483 zum Bruch MAXIMILIANS
mit dem ihm aufgenötigten Regentschaftsrat kam, usurpierte der Rat
die Regierung im Namen des jungen Prinzen, der in Gent unter Aufsicht festgehalten
wurde. Nach der Rückeroberung Flanderns durch MAXIMILIAN
(Juli
1485) wurde ihm sein Sohn zurückgegeben, der Vater führte in
beider Namen fortan die Regierung. Philipp
wurde in Mecheln unter Obhut der Herzogin-Witwe
Margarete von York durch einheimische Adlige und Humanisten
erzogen. Frucht dieser Erziehung war wohl die spätere Hinwendung Philipps
des Schönen zu einer genuin burgundisch-niederländischen
Politik. Nachdem während der langen Gefangenschaft des Vaters (Brügge,
1488) beide Seiten in Philipps Namen
agiert hatten, ist seit 1492 seine Anwesenheit bei den Tagungen der Generalstaaten
festzustellen. Die anläßlich des Erreichens der Volljährigkeit
(15 Jahre) von den Generalstaaten geforderte Einsetzung Philipps
in die vollen Herrschaftsrechte wurde von MAXIMILIAN
hinausgezögert; ab 1494 (Brabant: 9. September 1494) erfolgte seine
offizielle Inthronisation in den verschiedenen Fürstentümern,
wobei MAXIMILIAN bestrebt war, die
1477 durchgesetzten Privilegien wieder aufzuheben. Eine Inauguration Philipps
für Flandern erfolgte erst 1497 (letzte Sanktion für den flandrischen
Aufstand). Durch die Vermeidung einer Reichsinvestitur
Philipps behielt sich MAXIMILIAN
bestimmte Herrschafstrechte in den Niederlanden vor.
Der persönliche Herrschaftsantritt Philipps
wurde als Rückkehr zu inneren und äußeren Frieden, stabiler
Währung, freiem Handel, maßvoller Besteuerung und regulärer
ständischer Regierungsweise von der Öffentlichkeit gefeiert.
Philipp
der Schönehielt in der Tat engen Kontakt mit den Generalstaaten,
die er sogar gelegentlich bei eigener Unsicherheit zu Hilfe rief. Seine
"niederländische" Haltung brachte ihm wiederholt in Gegensatz zu den
politischern Intentionen des Vaters, der für seine vornehmlich gegen
Frankreich gerichtete Politik keineswegs die geforderte Hilfeleistungen
von seiten der Generalstände erhielt (1498-1499). Die Diskordanz erwies
sich als total, als Philipp der Schöne
am 5. Juli 1499 dem König von Frankreich das Homagium leistete. Demgegenüber
bedeutete die Allianz mit Spanien (Doppelhochzeit der Erb-Prinzen bzw.
Prinzessinnen Spaniens und der Niederlande) einen enormen diplomatischen
Erfolg MAXIMILIANS, der so auf den
französischen Druck in Italien zu reagieren verstand (1495). Philipp
der Schöne und
Prinzessin Johanna
(Juana) von Kastilien vermählten sich im Rahmen dieses
Bündnisses am 20. Oktober 1496 zu Lier. Infolge der aufeinanderfolgenden
Todesfälle aller anderen Thronanwärter wurde Philipp
der Schöne 1500 über seine Gemahlin zum präsumptivenErben
der spanischen Kronen. In dieser Eigenschaft wurde das Paar am 22.
Mai 1502 zu Toledo anerkannt. Nach dem Tode der Königin
Isabella von Kastilien (26. November 1504) bereiteten sich Philipp
der Schöne und Johanna auf
einen längeren Augfenthalt in ihren spanischen Erblänmdern vor;
sie hatten bereits drei Kinder, unter ihnen der künftige Kaiser
KARL V. Doch erkrankte Philipp der
Schöne bei der Einsetzungszeremonie in Burgos am 19. September
1506 und verstarb eine knappe Woche darauf.
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Reifenscheid, Richard: Seite 97
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."
Die Nachkommen Kaiser MAXIMILIANS I
1. PHILIPP I. "der Schöne, Erzherzog, König
von Kastilien 1504-1506
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* 22.7.1478, + 25.9.1506
Schloß zu Brügge
Burgos
Grabstätte: Krypta der königlichen Kapelle in der Kathedrale in Granada
oo 21.8.1496 in Lille
JOHANNA,
Infantin von Kastilien-Aragon
* 6.11.1479, + 13.4.1555
Toledo
Tordesillas
Grabstätte: Krypta der königlichen Kapelle in der Kathedrale in Granada
Eltern: Die katholischen Könige Ferdinand I., König von Aragonien, und Isabella I., Königin von Kastilien, Tochter Johanns II., König von Kastilien
Nach dem Tode seiner Mutter, Maria
von Burgund, erbte Philipp I. die
burgundischen Länder und wurde 1482 mit vier Jahren Herzog von Burgund.
Der von den burgundischen Ständen eingerichtete Regentschaftsrat wurde
von MAXIMILIAN I., der als Vormund
Philipps I. die Regierung übernahm,
ausgeschaltet. Von seinem Vater mit 16 Jahren für volljährig
erklärt, übergab dieser seinem Sohn die Regierung in den Niederlanden.
Die Bemühungen MAXIMILIANS I.,
eine gegen Frankreich gerichtete Verbindung zu Spanien herzustellen, führten
zu der habsburgisch-spanischen Doppelheirat
Philipps I. mit Johanna
von Kastilien-Aragonien und der Tochter MAXIMILIANS
I. mit Johann von Kastilien-Aragonien.
Da dieser bereits 1497 starb, wurde Johanna
Erbin von Kastilien-Aragonien [Richtigstellung: Johanna
wurde erst 1500 nach dem Tod ihrer älteren Schwester Isabella
und deren Sohn Miguel Erbin
der genannten Reiche.].
Nach dem Tode Isabellas I. von
Kastilien beanspruchte deren Gemahl König
Ferdinand von Aragonien die alleinige Regentschaft, die er jedoch
mit Philipp I. und seiner Gemahlin
teilen mußte. Mit Unterstützung des kastilischen Adels erreichte
Philipp I. 1506 die alleinige Regierung, die ohne praktische
Bedeutung blieb, da der König wenige Monate später starb. Seine
Söhne, Kaiser KARL V. und Kaiser
FERDINAND I., sollten das 16. Jahrhundert entscheidend beeinflussen.
Nach dem Tode Philipps I.
verfiel seine Gemahlin Johanna dem
Wahnsinn und lebte bis zu ihrem Tode zurückgezogen in Tordesillas.
Ihr Vater übernahm für die unglückliche Johanna
die Regierung und danach dessen Tod ihr Sohn Kaiser
KARL V.
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Nach dem Tode seiner Mutter wurde er Regent der Niederlande.
Für ihn führte sein Vater bis 1494 die ständig angefochtene
Regentschaft. Zu seiner Aussicht auf die Nachfolge in den übrigen
habsburgischen
Ländern und im Kaisertum gesellte sich bald auch die Aussicht auf
die Nachfolge in Spanien. Der Tod seiner SchwiegermutterIsabella
I. brachte ihm 1504 die Krone Kastiliens.
Philipp I. der Schöne war
gebildet, stattlich und ein hemmungsloser Galan und starb an einer jähen
und geheimnisvollen Krankheit. Sein früher Tod rief bei seiner Gemahlin
eine völlige geistige Umnachtung hervor.
21.8.1496
oo Johanna I. die Wahnsinnige, Tochter des
Königs Ferdinand II. von Aragon
6.11.1479-13.4.1555
Toledo
Tordesillas
Kinder:
KARL V.
24.2.1500-21.9.1558
FERDINAND I.
10.3.1503-25.7.1564
Eleonore
15.11.1498-18.2.1558
Brüssel
Talaveruela
7.3.1519
1. oo 3. Manuel I. König von Portugal
1.6.1469-13.12.1521
5.8.1530
2. oo 2. Franz I. König von Frankreich
x
12.9.1494-31.3.1547
Isabella
18.7.1501-19.1.1526
Gent Lierre
12.8.1515
oo Christian II. König von Dänemark
2.7.1481-25.1.1559
Maria
17.9.1505-18.10.1588
Brüssel Cigales
13.1.1522
oo Ludwig II. König von Ungarn
1.7.1506-29.8.1526
Prag
Mohacs
Katharina
14.1.1507-12.2.1578
Torquameda Lissabon
15.2.1525
oo Johann III. König von Portugal
6.6.1502-11.6.1557
Lissabon Lissabon
Literatur:
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Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz
und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 12, 14,16-20,23,25-32,34,37-56,59-81,83-92,95,103,105,118,125,140,180,192,195,202,205
- Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen
Diederichs Verlag München 1996 Seite 46,65,157,204,293,348 - Ferdinandy
Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 117,123,125,246
- Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs
Verlag München 1994 Seite 11,13-18,20-30,38 - Hartmann P.C.:
Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis
Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 40,46,52
- Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend
der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite
138,181,217,221,248-254,258-260 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella:
Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München
1995 Seite 195,249,251,312-317,319 - Reifenscheid, Richard: Die
Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln
1982 Seite 91,94,97,99,101,107,116,125 - Tamussino Ursula: Margarete
von Österreich. Diplomatin der Renaissance. Verlag Styria Graz Wien
Köln 1995 Seite 22,26,29,32,35,40,44,48,50,54,74,77-82,84,89,93-103,109,
114-122,125,130,133,136,140,146,161,164,166,171,177,179,182,188,193,198,
204,210,251,259,284,286,288,290 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn.
Ein Leben im Dienst der Casa de Austria. Verlag Styria Graz Wien Köln
1998 Seite 9,32,42,58,125,158,178,180,212, 222,245,248,263,275,290 - Treffer
Gerd: Franz I. von Frankreich. Herrscher und Mäzen. Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1993 Seite 19,27,29,33,106 - Vones Ludwig: Geschichte
der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 241 - -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Philipp, der in der
HABSBURGER
Bildergalerie mit seiner vorspringenden Lippe und dem kalten Blick nicht
durch besondere Schönheit glänzt, war zum Unglück
Johannas kein treuer Gatte. Der venezianische Gesandte Querini
rühmt seine kräftige, geschmeidige Gestalt, spricht von seiner
Geschicklichkeit bei allen ritterlichen Übungen jener Zeit und von
der Stämmigkeit und Widerstandsfähigkeit seines Körpers;
ein anderer Chronist, Lorenzo de Padilla, schildert seine helle, rosige
Hautfarbe und seine goldblonden Haare. Dieser Flamländer liebte es,
sich prächtig zu kleiden: das Gewand aus Samt und Seide, goldgestickt
und mit seltenem Pelzwerk verbrämt, in dem er sich 1502 vor Toledo
seinen Schwiegereltern vorstellte, setzte die Spanier in Erstaunen, die
an die strenge Einfachheit ihrer gewöhnlich nur in Wollstoffe gekleideten
Herrscher gewöhnt waren.
Die schönen Damen am flämischen Hof konnten
diesem wenig intelligenten, aber glänzenden und unverschämten
"sportsman" mit unersättlichen Begierden, dem "homo eroticus" schlechthin,
wohl kaum widerstehen. Immer war er auf der Jagd nach Sinnenlust, ohne
Bedenken, ob sie ihm von einer wunderschönen Geliebten aus dem Kranze
der Hofdamen seiner Gemahlin befriedigt wurde oder von einer Frau aus den
Bordellen, die er sich nicht genierte nächtlich in der lustigen Gesellschaft
ausschweifender Edelmänner zu besuchen.
Brouwer Johan: Seite 13
*************
"Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen
Königin."
Charakter
Der berühmte Humanist Petrus Martyr Anglerius sagt über Philipp von Burgund, daß es ihm angeblich an nichts fehlte, was sich eine Frau von einem Mann nur wünschen könnte. Philipp war jung, äußerlich anmutig, sanftmütig, freundlich und aufgeweckt. Ein junger Zeitgenosse, der große Geschichtsschreiber des 16. Jahrhunderts Zurita, nennt Philipp einen fröhlichen und willfährigen Mann, einen leidenschaftlichen Jäger, einen Mann ohne jeglichen Ehrgeiz und den Staatsgeschäften abhold. Am liebsten überließ er, so sagt Zurita, die Sorge hierfür anderen. Als Folge davon war er sehr launenhaft, denn als Mann ohne Interesse für und ohne Einsicht in die Politik richtete er sich jedesmal aufs neue nach denjenigen, welchen er sein Vertrauen schenkte. Ein anonymer Autor aus jener Zeit der Katholischen Könige und ihrer Tochter Johanna spricht von Philipps kraftvoller Gestalt, seinem anmutigem Auftreten und seinen vornehmen Manieren. Er preist seine Freundlichkeit und seinen Sinn für Gerechtigkeit und sagt, daß er begabt sei und tugendsame Anlagen habe, "ad omnes virtutes pronus", sich aber allzu viel dem widme, was wir Sport nennen, und zuviel intimen Umgang mit Frauen suche. Der venezianische Gesandte Quirini hielt Philipp für intelligent und einfallsreich, erblickte jedoch seinen größten Fehler in seinem Mangel an Beharrungsvermögen, und zwar infolge der Launenhaftigkeit seines Charakters.
Brouwer Johan: Seite 77-79
*************
"Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen
Königin."
Tod
In jenen Tagen zunehmender Unruhe und Unsicherheit erkrankte
Philipp plötzlich. Er bekam Fieber,
übergab sich und starb unter den Händen der Ärzte, die ihm
nach den Bräuchen der damaligen Zeit Abführmittel gaben und Blut
abzapften, binnen einer Woche.
Für einen natürlichen Tod gibt es zuverlässige
Hinweise:
Erstens herrschte in jenen Tagen eine bösartige
Fieberepedemie in Burgos.
Zweitens existiert ein ausführliches ärztliches
Attest über Philipps Krankheit
und Tod.
Drittens waren die allgemeinen sanitären
Zustände zu jener Zeit schlecht und die medizinische sowie hygienische
Versorgung sehr mangelhaft. Als Folge davon war die Sterblichkeit unter
den jungen Menschen viel höher als gegenwärtig.
Nach einem Bericht des Hofarztes de la Parra, den dieser
unmittelbar an König Ferdinand sandte,
vollzogen sich Krankheit und Tod Philipps wie folgt:
"Zwei oder drei Tage, bevor er erkrankte, hatte König
Philipp höchst leidenschaftlich 'poleta' [Spanisches Schlagballspiel]
an einem kühlen Ort gespielt und hatte sich abkühlen lassen,
ohne sein Haupt zu bedecken. Donnerstag den 17. September stand der König
schon einigermaßen indisponiert auf. Man glaubt jetzt, daß
er damals schon Fieber hatte. Dieses Fieber hielt bis zu seinem Tod an.
An jenem Donnerstag sprach er nicht mit seinen Ärzten. Er aß
wie gewöhnlich, wenn er auf die Jagd ging, und ging auch wie sonst
auf die Jagd. Freitags darauf sagte er seinen Ärzten ebenfalls nichts,
obwohl das Fieber anhielt. Er aß beinahe wie ein gesunder Mensch,
aber mit wenig Appetit. Der Sonnabend verlief auf dieselbe Weise bis mittags.
Dann begann er zu frösteln, und zwar so arg, daß er es vor seinen
Mitmenschen nicht zu verbergen vermochte. Er ließ seine beiden Ärzte
rufen, sagte ihnen, was ihm fehle und was er bis jetzt verschwiegen hatte,
nämlich daß er am Donnerstag und Freitag zuvor um dieselbe Stunde
auch bereits gefroren habe, sei es auch im geringeren Maß. Diesen
Sonnabend bekam er außerden noch hohes Fieber.
Sonntag morgen hatte er immer noch Fieber und bekam Schmerzen
in der Seite. Auch spie er Blut. Man ließ ihn auf der anderen Seite
zur Ader. Die Schmerzen verminderten sich unverzüglich und verschwanden
nachmittags sogar ganz. Bis zwei Uhr nachmittags blieb das Fieber niedrig,
aber dann fror es den König abermals, und gleichzeitig stieg das Fieber
wieder an. Am Montag, dem fünften Tag seiner Erkrankung, hatte der
König frühmorgens Fieber, und sein Zäpfchen war so dick
geschwollen und schlaff, ebenso seine Zunge und Gaumen, daß er kaum
seinen Speichek hinunterschlucken und auch nur mit Mühe sprechen konnte.
Das behinderte ihn dermaßen, daß er sagte, es sei das einzige
Übel, an dem er litt, und daß dies das einzige sei, wovon man
ihn heilen müsse. Er sagte, daß, wenn dies vorbei sei, er auch
wiederhergestellt sein würde. Dann setzte man ihm Schröpfköpfe
an aufseinem Rücken und hinten im Hals. Das erquickte ihn augenblicklich,
so daß man sie wieder abnham. Die Ärzte waren übereingekommen,
bei ihm am folgenden Tag, Dienstag, abzuführen, denn an diesem Montag
konnte er es nicht ertragen.
Diesen Dienstag, am sechsten Tag seiner Erkrankung also,
hatte er auf natürliche Weise Stuhlgang. Man sah deshalb von weiteren
Purgierungen ab. Nachmittags begann er wiederum zu frieren, und das Fieber
nahm erneut zu wie an den vorangegangenen Tagen. Am folgenden Tag, Mittwoch,
also am siebenten Tag seiner Erkrankung - man war dessen nicht sicher,
weil man am ersten Tag kein Fieber bei ihm festgestellt hatte -, erstattete
man mir Bericht, da das Fieber anhielt und auch die anderen Erscheinungen
ernsthafter wurden. Ich weiß nicht, ob man auch anderen Ärzten
Bericht erstattet hat. Ich bin allein gekommen. Wohl hat man dann in aller
Eile einen Arzt aus Burgos herbeigerufen sowie einen des Erzbischofs von
Toledo, damit diese allein an Hand der Urinuntersuchung und auf Grund des
Berichts der behandelnden Ärzte ihr Urteil über den Fall abgeben
sollten, ohne den König zu untersuchen. Sie wurden sich alle darüber
einig, daß man den Patienten zur Ader lassen müsse. Das tat
man auch, und es kam dickes, schlechtes Blut aus dem Körper. An jenem
Mittwoch begann der König zur gewohnten Stunde zu frieren, aber schlimmer
als an den Tagen zuvor. Darauf wurde ihm wieder warm, und er fing stark
zu schwitzen an. Die Doktoren dachten, dies sei ein Zeichen der Besserung,
von bemerkenswertem Fortschritt. Ungefähr sechs Stunden lang dürfte
er geschwitzt haben. Alsdann erschlaffte er ganz und gar. Er verlor das
Bewußtsein und konnte nicht mehr sprechen. Von diesem Augenblick
an hat man ihn nichts Vernehmliches mehr äußern hören.
Er ist ohne Bewußtsein geblieben, in einer Art Dämmerzustand,
woraus man ihn ab und zu mit ziemlicher Mühe, aber niemals ganz, weckte.
Am Donnerstag darauf verharrte er in diesem Zustand.
Ich bin diesen Donnerstag nachts angekommen, um ihn zu untersuchen. Um
zwei Uhr nachts traf ich ein. Ich fand ihn in einem derartigen Zustand
vor, daß ich den Eindruck gewann, die Krankheit sei bereits so weit
fortgeschritten und die Kräfte hätten schon derart abgenommen,
daß keine Hoffnung mehr bestand und ich auch kein Mittel zur Wiedergenesung
mehr für wirksam hielt. Ich wollte deshalb meine Zustimmung nicht
mehr erteilen, ihn mit irgendwelchem kräftigen Mittel zu behandeln,
womit man, wie zu erwarten war, sein Leben nur verkürzt hätte.
Ich bestand mit aller Kraft darauf, daß man ihm die Letzte Ölung
erteile. Fünf Stunden lang bin ich bei ihm geblieben und um sieben
Uhr weggegangen mit dem Gedanken, daß er höchstens noch bis
zu der Stunde würde aushalten können, zu der ihn, wie üblich,
das Kältegefühl überkam. Es heißt, er habe ungefähr
um zwei Uhr mittags den Geist aufgegeben, an diesem Freitag, dem 23.
September 1506."