Begraben: Winchester, Old Minster
2. Sohn des Königs Wilhelm
I. der Eroberer von Normandie-England und der Mathilde
von Flandern, Tochter von Graf Balduin V.
Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 129
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Wilhelm II. Rufus (‚der Rote‘), König von England
1066-1087
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* 1056/60, + 2. August 1100
bei Lyndhurst (Hampshire)
Begraben: Winchester, Old Minster
Wilhelm II. Rufus erhielt
als Lieblingssohn Wilhelms I. des Eroberers
(Mutter: Mathilde von Flandern) 1087
die englische Krone. Das Regnum wurde von der Normandie getrennt, die an
Wilhelms
älteren Bruder, Herzog Robert II.,
ging. 1088 schlug Wilhelm II. eine
Rebellion anglonormannischer Barone, die Robert
zu
ihrem König machen wiollten, mit Hilfe eines angelsächsischen
Aufgebots nieder. Er versprach daraufhin gute Gesetze und Steuererleichterungen,
hielt sich aber nicht an die Zusagen. Ein zweiter Aufstand wurde 1095 niedergeschlagen.
Von 1091 an dehnte Wilhelm II. Rufus
seinen Einfluß auf die Normandie aus. Im Norden schob er die englische
Grenze biszur Tweed-Cjeviot-Linie vor und zwang die Schotten, seine Oberherrschaft
anzuerkennen (Malcolm III.). Als der
schwache Herzog Robert 1096 zum Kreuzzug
ins Heilige Land aufbrach, verpfändete er die Normandie an Wilhelm
II. Rufus, der nun dort weitere Anhänger gewann. Maine
und Wales wurden Ziele dieser Expansion. - In England stellte Wilhelm
II. Rufus die Verwaltung in den Dienst willkürlicher Innen-
und Kirchenpolitik. So ließ er in mißbräuchlicher Anwendung
des Regalienrechts Bistümer und Abteien unbesetzt (Canterbury 1089-1093),
um ihre Einkünfte an sich zu ziehen. 1093 schwer erkrankt, stimmte
er der Wahl Anselms von Bec zum Erzbischof von Canterbury zu und versprach
ein besseres Regiment. Nach der Genesung setzte er jedoch die Bedrückung
der Kirche fort und geriet dadurch wiederholt in Konflikt mit Anselm. Zudem
ging der Streit um Besitzrechte von Canterbury, dann um normannische "Gewohnheiten",
aufgrund derer Wilhelm II. in die Kirche
eingriff. Als Anselm auf einem Hoftag zu Rockingham die Frage aufwarf,
ob der Gehorsam gegenüber dem Papst vereinbar sei mit der (Lehns-)Treue
zum König, ergriffen die anderen Bischöfe Partei für Wilhelm
II. Rufus, während die Barone teilweise den Erzbischof
unterstützten. Die Antwort wurde verschoben. Wilhelm
II. Rufus versuchte aber von da an in Rom - vergeblich - die
Absetzung Anselms zu erreichen. Als dieser bei Nacht und Nebel ins Exil
auf den Kontinent ging, beschlagnahmte der König die Temporalien von
Canterbury. Der Kirchenstreit, bei dem die Laieninvestitur anfangs nicht
im Vordergrund stand, fand unter Wilhelm II. Rufus
keinen Aschluß. Er starb bei einer Jagd im New Forest, als ihn der
Pfeil eines seiner Barone traf. Ob es sich um einen Unfall handelte oder
um einen Anschlag, ist letztlich nicht zu klären. Die zeitgenössischen
Chronisten warfen Wilhelm II. Rufus
Zynismus, Irreligiosität und Lasterhaftigkeit vor. Dieses Urteil färbte
noch die viktorianische Geschichtsschreibung. Neuerdings werden seine Verdienste
um die künftige Wiedervereinigung Englands mit der Normandie stärker
betont. Er schuf hierfür Grundlagen, wenngleich das Herzogtum nach
der Rückkehr Roberts II. 1100
an diesen herausgegeben werden mußte.
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Brandenburg Erich: Tafel 20 Seite 40
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XI. 108. Wilhelm II., König von England 1087
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* 1060, + 1100 2. VIII. ermordet
Konkubine N.
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Wilhelm II. der Rote
folgte nach dem Tode seines Vaters in England, während seinem älteren
Bruder Robert nur die Normandie verblieb.
Er war haltlos, grausam, primitiv und stotterte und stand in ständigem
Gegensatz zu seinen Brüdern, die ihm die Krone bestritten. Die anglonormannischen
Großen, denen die Teilung des Reiches und besonders die Persönlichkeit
des willensstarken Wilhelms unwillkommen
war, verbündeten sich erfolglos mit Robert.
Wilhelm
beutete das Kirchengut skrupellos aus und auf ähnliche Art und Weise
verfuhr er mit den Spolien und Regalienrecht. In den Kämpfen mit seinem
Bruder überspannte er die Ansprüche an die Kronvasallen, setzte
die Erbgelder willkürlich fest und machte aus der Erteilung des Ehekonsens
ein Geldgeschäft. Trotzdem gelang es ihm, Rebellionen zu unterdrücken
und die Zentralgewalt weiter zu festigen. Im Jahre 1090 machte er den Versuch,
die Normandie zu erobern und erhielt 1091 im Frieden die Grafschaft Eu,
Fecamp und Cherbourg. 1093 fiel der schottische
König Malcolm und sein Sohn Eduard
gegen Wilhelm. Im Jahre 1096, als sich
Robert
auf
den 1. Kreuzzug begab, nutzte er dessen Geldnot aus und erwarb die Normandie
als Pfand. Wilhelm
wurde bei einer
Jagd im New-Forest bei Brockenhurst von William Styrrel mit einem
Pfeil
getötet. Ihm folgte sein jüngerer Bruder Heinrich
I.
Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England.
Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutggart 1962 Seite 76,92
- Douglas David C: Wilhelm der Eroberer Herzog der Normandie. Diederichs
Verlag München 1994 Seite 309-310,366-369, 370,375,376 - Ehlers
Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 77,88,90, 100 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs
im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 88 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 120,128 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft
1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 79 - Jäschke
Kurt-Ulrich: Die Anglonormannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin
Köln Mainz 1981 -