Einziger Sohn des Herrn Viktorin I. von Kunstadt und
Podiebrad und der Anna von Wartenberg, Tochter von Burggraf
Johann von Glatz
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1275
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Georg von Podiebrad (Podebrad), König von Böhmen
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* 1420, + 22. März 1471
Aus der großen mährischen Adelsfamilie der KUNSTAT (KUNSTADT), Sohn des Viktorin von Kunstat und Podiebrad
1. oo Kunhuta von Sternberg
2. oo Johanna von Rozmital
4 Söhne:
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u. a. Viktorin
Georgs Vater zählte
zu den Anhängern des hussitischen Hauptmanns Jan Zizka. Nach dem Tod
der Eltern (1427) wurde Georg von Podiebrad
in Mähren von seinem Onkel Bocek von Kunstat erzogen, mit dem er gemeinsam
1434 bei Lipany auf seiten der konservativen Hussiten gegen die Taboriten
kämpfte. Innerhalb der Gruppe der Kalixtiner trat Georg
von Podiebrad als Mitglied des Landgerichts in die ständischen
Politik ein. Er baute von Anfang an eine reine Familienherrschaft in O-Böhmen
auf und stand 1444 an der Spitze einer Koalition der ostböhmischen
Stände. Durch List bemächtigte er sich 1448 der Stadt Prag und
stellte sich an die Seite des jungen HABSBURGERS
Ladislaus Postumus. Nach der Eroberung von Tabor (1452) wurde
Georg
von Podiebrad vom Landtag zum
Gubernator gewählt
und vereinigte auch nach Ladislaus'Königswahl
dieses Amt mit dem des Landeshauptmann. Nach Ladislaus'
Pesttod
(1457) wurde
Georg von seinen Gegnern
zu Unrecht des Giftmordes beschuldigt.
Am 2. März 1458 vom Landtag zum König von Böhmen
gewählt, bemühte er sich erfolgreich um Wiedereingliederung der
entfremdeten nordböhmischen Gebiete und stellte die Oberhoheit der
böhmischen Krone über die sogenannten Nebenländer (Lausitz,
Schlesien) wieder her. Georg von Podiebrad,
der als Monarch über "beiderlei Volk", Calixtiner wie Katholiken,
herrschte, hatte bereits vor seiner Königswahl dem päpstlichen
Gesandten heimlich versprochen, alle Ketzerei in Böhmen auszurotten,
verfolgte als treuer Anhänger der Basler Kompaktaten jedoch schließlich
nur die böhmische Brüdergemeinde. Er geriet so mit Papst Pius
II. in einen Konflikt, dem er auch durch die Entsendung einer Gesandtschaft
nach Rom, die dem Papst in seinem Namen huldigte, nicht zu entschärfen
vermochte. Pius II. erklärte am 31. März 1462 die Basler Kompaktaten
für ungültig und forderte Georg von
Podiebrad auf, sich der päpstlichen Entscheidungsgewalt
zu unterwerfen, was dieser entschieden ablehnte. Georg
wurde daraufhin 1464 von Pius II. zum Ketzer erklärt und nachfolgend
exkommuniziert. Der Katholische Widerstand gegen den "Ketzerkönig",
der sich unter maßgeblicher Führung Zdeneks von Sternberg im
November 1465 in der Liga von Grünberg formierte , wurde unter anderem
von schlesischen Ständen (namentlich Breslau) sowie von mährischen
Prälaten und Städten, aber auch von katholischen Adligen in Böhmen
getragen. Verbunden mit dem religiös-kirchlichem Gegensatz war die
Unzufriedenheit der Städte mit dem energischen Vorgehen Georgs,
der bestrebt war, nach langen Jahren des Interregnums wieder die monarchische
Zentralgewalt zu festigen.
Konnten die Königlichen in Böhmen bereits in
der Frühphase des Kampfes zahlreiche Burgen ihrer Widersacher erobern,
so stieß ihr Vorgehen in Schlesien und Mähren auf größere
Schwierigkeiten. Eine neue Phase des Konflikts setzte ein, als der König
von Ungarn, Matthias Corvinus, im Oktober
1465 die Führung des Kreuzzugs gegen Georg
von Podiebrad übernahm. Georg
intensivierte demgegenüber seinen schon länger verfolgten Plan
einer internationelen Zusammenarbeit von Fürsten und Königen:
Bereits 1462 hatte er ein allgemeineuropäisches Fürstenbündnis
gegen die Türken, auf der Grundlage der nationalen Souveränität
der einzelnen Staaten vorgeschlagen. 1464 wandte er sich an alle europäischen
Herrscher mit dem Entwurf eines Friedensvertrags, der, gegen die päpstliche
Suprematie gerichtet, alle christlichen Monarchen und Fürsten einigen
sollte. Konkret schloß Georg von Podiebrad
Verträge
mit seinen Nachbarn, vor allem mit Kaiser FRIEDRICH
III. und mit den WETTINERN in Sachsen. Bei seinen großangelegten
diplomatischen Aktionen standen ihm so bedeutende Gegner der päpstlichen
Politik wie Martin Mayr und Gregor von Heimburg sowie der Italiener Antonio
Marini zur Seite.
Matthias Corvinus
erzielte unterdessen große militärische Erfolge in Mähren,
wurde aber bei dem Versuch, nach Böhmen vorzudringen, besiegt und
gefangengenommen (1469), gegen ein Versprechen des Friedens und der Fürsprache
in Rom wieder freigelassen. Zur Abwehr der dauernden Angriffe der Kreuzfahrer
schloß Georg von Podiebrad ein
Bündnis mit König Kasimir IV. von Polen;
obwohl Georg selbst vier Söhne
hatte, bot er den JAGIELLONEN an, nach
seinem Tode die Nachfolge in Böhmen zu übernehmen. Zur selben
Zeit versuchten Georgs sächsische
Verbündete, in Rom eine Aussöhnung mit dem Papst zu erreichen.
Georg
von Podiebrad verstarb aber, bevor diese Unternehmungen reiften.
In der tschechischen Tradition des 19. Jh.wurde der "hussitische
König" als nationaler Held und Vorkämpfer eines selbständigen
böhmischen Staates verherrlicht.
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Georg folgte 1427
unter Vormundschaft seines Onkels Heralt aus der Linie Rychwald-Otaslavic,
wurde Gefolgsmann von Ptatschko von Pirkstein, dem Führer der Calixtiner
und wurde 1444 dessen Nachfolger. Er band die Reste der radikalen Taboriten
an sich, stellte damit den innerböhmischen Frieden her und gewann
1448 Prag. Es war eine Zeit ständiger Auseinandersetzungen wegen der
Nachfolgefrage. Er wurde 1452 offiziell Reichsverweser von Böhmen,
Vormund von Ladislaus Postumus und
setzte die Anerkennung der Prager Kompaktaten (1433) durch. Er vermittelte
die Huldigung der schlesischen Herzöge und gewann für sein Haus
Teile von Schlesien. 1455 wurde er Graf von Glatz und 1456 Herzog von Münsterberg-Oels
und setzte auch das Wahlkönigtum durch. Er griff 1455 in die wettinischen
Bruderkriege ein, um die böhmische Position nördlich des Erzgebirges
zu wahren. Er war eng befreundet mit dem päpstlichen Legaten Aeneas
Piccolomini (= späterer Papst Pius II.) und war dadurch jahrelang
vor kirchlicher Verfolgung sicher. Er band die böhmischen Nebenländer
eng an Böhmen, zwang zuletzt König Ladislaus,
in Prag zu residieren und ließ ihn wohl bald darauf 1457 ermorden.
Er wurde 1458 König von Böhmen, Markgraf von Mähren, von
Ober- und Nieder-Lausitz und Oberlehnsherr von Schlesien. Er spielte den
Druck der mobilisierten Volksmassen gegen die adligen Stände bei seiner
Wahl aus, die 1465 einen "Herrenbund" gegen Georg
bildeten. Dieser behauptete sich vorerst gegen alle Prätendenten,
schloß 1459 mit den WETTINERN Frieden, womit der böhmische Druck
auf diese endgültig aufhörte. Er fand Anschluß an Kurpfalz,
Bayern-Landshut und Brandenburg und wurde 1459 katholisch, mußte
jedoch auf Druck der Stände die dem Papst zugesagte Rekatholisierung
Böhmens unterlassen und wurde daher seit 1466 ständig gebannt.
Er unterstützte 1462/63 Kaiser FRIEDRICH
III. gegen Ungarn, befreite ihn in Wien und erreichte damit
seine kaiserliche Anerkennung. Georg
erstrebte zeitweise sogar eine Reichsstatthalterschaft und wurde seit 1466
von Matthias Corvinus von Ungarn,
dem er 1458 mit auf den Thron verholfen hatte und der 1456/57 sein Gefangener
war, bekriegt. Er verlor nach und nach Mähren, Schlesien und die Lausitzen
an diesen, behauptete aber die böhmische Krone bis zuletzt, obwohl
Matthias Corvinus 1469 in Olmütz zum König gewählt
wurde. Georg setzte die Wahl des JAGIELLONEN
Wladyslaw zum böhmischen König durch.
1440
1. oo Kunigunde von Sternberg, Tochter des Smilo
zu Konopischt
18.11.1422-19.11.1449
Prag
1450
2. oo Johanna von Rozmital, Tochter des Johann
vor 1432-12.11.1475
Melnik
Erbin von Blatna
Kinder:
1. Ehe
Boczek VII. Herr von Litice
15.7.1442-28.9.1496
Victorin
29.5.1443-30.8.1500
Heinrich I. der Ältere
15.5.1448-24.6.1498
Katharina
11.11.1449-8.3.1464
1.5.1461
oo Matthias Corvinus König von
Ungarn
23.2.1447-6.4.1490
Barbara
1444/47- nach 1469
1. oo Heinrich Herr von Lipa
- 1469
2. oo Johann Albrecht von Krzinecky
- um 1486
Sidonie
11.11.1449-1.2.1510
11.11.1459
oo Albrecht Herzog von Sachsen
31.7.1443-12.9.1500
2. Ehe
Heinrich II.
17.5.1452-11.7.1492
Ludmilla
16.10.1456-20.1.1503
5.9.1474
oo Friedrich I. Herzog von Schlesien-Liegnitz
1446-9.5.1488
Friedrich
1453/54-31.8.1458
Georg Graf von Glatz
1454/55-31.7.1459/7.12.1462
Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
2000 Seite 311,313 - Hoensch, Jörg K.: Matthias Corvinus. Diplomat,
Feldherr und Mäzen. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 7,39,49-52,55,61,64,66,69-73,75,82,88,90,93,97,101,105-112.11-117,119,131,133,156,262
- Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf
I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart/Berlin/Köln 1994
Seite 177,194,196,200, 205,221 -