Georg von Podiebrad                             König von Böhmen (1458-1471)
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23.4.1420-22.3.1471
Horowitz  Prag

Einziger Sohn des Herrn Viktorin I. von Kunstadt und Podiebrad und der Anna von Wartenberg, Tochter von Burggraf Johann von Glatz
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1275
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Georg von Podiebrad (Podebrad), König von Böhmen
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* 1420, + 22. März 1471

Aus der großen mährischen Adelsfamilie der KUNSTAT (KUNSTADT), Sohn des Viktorin von Kunstat und Podiebrad

1. oo Kunhuta von Sternberg

2. oo Johanna von Rozmital

4 Söhne:
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u. a. Viktorin

Georgs Vater zählte zu den Anhängern des hussitischen Hauptmanns Jan Zizka. Nach dem Tod der Eltern (1427) wurde Georg von Podiebrad in Mähren von seinem Onkel Bocek von Kunstat erzogen, mit dem er gemeinsam 1434 bei Lipany auf seiten der konservativen Hussiten gegen die Taboriten kämpfte. Innerhalb der Gruppe der Kalixtiner trat Georg von Podiebrad als Mitglied des Landgerichts in die ständischen Politik ein. Er baute von Anfang an eine reine Familienherrschaft in O-Böhmen auf und stand 1444 an der Spitze einer Koalition der ostböhmischen Stände. Durch List bemächtigte er sich 1448 der Stadt Prag und stellte sich an die Seite des jungen HABSBURGERS Ladislaus Postumus. Nach der Eroberung von Tabor (1452) wurde Georg von Podiebrad vom Landtag zum Gubernator gewählt und vereinigte auch nach Ladislaus'Königswahl dieses Amt mit dem des Landeshauptmann. Nach Ladislaus' Pesttod (1457) wurde Georg von seinen Gegnern zu Unrecht des Giftmordes beschuldigt.
Am 2. März 1458 vom Landtag zum König von Böhmen gewählt, bemühte er sich erfolgreich um Wiedereingliederung der entfremdeten nordböhmischen Gebiete und stellte die Oberhoheit der böhmischen Krone über die sogenannten Nebenländer (Lausitz, Schlesien) wieder her. Georg von Podiebrad, der als Monarch über "beiderlei Volk", Calixtiner wie Katholiken, herrschte, hatte bereits vor seiner Königswahl dem päpstlichen Gesandten heimlich versprochen, alle Ketzerei in Böhmen auszurotten, verfolgte als treuer Anhänger der Basler Kompaktaten jedoch schließlich nur die böhmische Brüdergemeinde. Er geriet so mit Papst Pius II. in einen Konflikt, dem er auch durch die Entsendung einer Gesandtschaft nach Rom, die dem Papst in seinem Namen huldigte, nicht zu entschärfen vermochte. Pius II. erklärte am 31. März 1462 die Basler Kompaktaten für ungültig und forderte Georg von Podiebrad auf, sich der päpstlichen Entscheidungsgewalt zu unterwerfen, was dieser entschieden ablehnte. Georg wurde daraufhin 1464 von Pius II. zum Ketzer erklärt und nachfolgend exkommuniziert. Der Katholische Widerstand gegen den "Ketzerkönig", der sich unter maßgeblicher Führung Zdeneks von Sternberg im November 1465 in der Liga von Grünberg formierte , wurde unter anderem von schlesischen Ständen (namentlich Breslau) sowie von mährischen Prälaten und Städten, aber auch von katholischen Adligen in Böhmen getragen. Verbunden mit dem religiös-kirchlichem Gegensatz war die Unzufriedenheit der Städte mit dem energischen Vorgehen Georgs, der bestrebt war, nach langen Jahren des Interregnums wieder die monarchische Zentralgewalt zu festigen.
Konnten die Königlichen in Böhmen bereits in der Frühphase des Kampfes zahlreiche Burgen ihrer Widersacher erobern, so stieß ihr Vorgehen in Schlesien und Mähren auf größere Schwierigkeiten. Eine neue Phase des Konflikts setzte ein, als der König von Ungarn, Matthias Corvinus, im Oktober 1465 die Führung des Kreuzzugs gegen Georg von Podiebrad übernahm. Georg intensivierte demgegenüber seinen schon länger verfolgten Plan einer internationelen Zusammenarbeit von Fürsten und Königen: Bereits 1462 hatte er ein allgemeineuropäisches Fürstenbündnis gegen die Türken, auf der Grundlage der nationalen Souveränität der einzelnen Staaten vorgeschlagen. 1464 wandte er sich an alle europäischen Herrscher mit dem Entwurf eines Friedensvertrags, der, gegen die päpstliche Suprematie gerichtet, alle christlichen Monarchen und Fürsten einigen sollte. Konkret schloß Georg von Podiebrad Verträge mit seinen Nachbarn, vor allem mit Kaiser FRIEDRICH III. und mit den WETTINERN in Sachsen. Bei seinen großangelegten diplomatischen Aktionen standen ihm so bedeutende Gegner der päpstlichen Politik wie Martin Mayr und Gregor von Heimburg sowie der Italiener Antonio Marini zur Seite.
Matthias Corvinus erzielte unterdessen große militärische Erfolge in Mähren, wurde aber bei dem Versuch, nach Böhmen vorzudringen, besiegt und gefangengenommen (1469), gegen ein Versprechen des Friedens und der Fürsprache in Rom wieder freigelassen. Zur Abwehr der dauernden Angriffe der Kreuzfahrer schloß Georg von Podiebrad ein Bündnis mit König Kasimir IV. von Polen; obwohl Georg selbst vier Söhne hatte, bot er den JAGIELLONEN an, nach seinem Tode die Nachfolge in Böhmen zu übernehmen. Zur selben Zeit versuchten Georgs sächsische Verbündete, in Rom eine Aussöhnung mit dem Papst zu erreichen. Georg von Podiebrad verstarb aber, bevor diese Unternehmungen reiften.
In der tschechischen Tradition des 19. Jh.wurde der "hussitische König" als nationaler Held und Vorkämpfer eines selbständigen böhmischen Staates verherrlicht.
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Georg folgte 1427 unter Vormundschaft seines Onkels Heralt aus der Linie Rychwald-Otaslavic, wurde Gefolgsmann von Ptatschko von Pirkstein, dem Führer der Calixtiner und wurde 1444 dessen Nachfolger. Er band die Reste der radikalen Taboriten an sich, stellte damit den innerböhmischen Frieden her und gewann 1448 Prag. Es war eine Zeit ständiger Auseinandersetzungen wegen der Nachfolgefrage. Er wurde 1452 offiziell Reichsverweser von Böhmen, Vormund von Ladislaus Postumus und setzte die Anerkennung der Prager Kompaktaten (1433) durch. Er vermittelte die Huldigung der schlesischen Herzöge und gewann für sein Haus Teile von Schlesien. 1455 wurde er Graf von Glatz und 1456 Herzog von Münsterberg-Oels und setzte auch das Wahlkönigtum durch. Er griff 1455 in die wettinischen Bruderkriege ein, um die böhmische Position nördlich des Erzgebirges zu wahren. Er war eng befreundet mit dem päpstlichen Legaten Aeneas Piccolomini (= späterer Papst Pius II.) und war dadurch jahrelang vor kirchlicher Verfolgung sicher. Er band die böhmischen Nebenländer eng an Böhmen, zwang zuletzt König Ladislaus, in Prag zu residieren und ließ ihn wohl bald darauf 1457 ermorden. Er wurde 1458 König von Böhmen, Markgraf von Mähren, von Ober- und Nieder-Lausitz und Oberlehnsherr von Schlesien. Er spielte den Druck der mobilisierten Volksmassen gegen die adligen Stände bei seiner Wahl aus, die 1465 einen "Herrenbund" gegen Georg bildeten. Dieser behauptete sich vorerst gegen alle Prätendenten, schloß 1459 mit den WETTINERN Frieden, womit der böhmische Druck auf diese endgültig aufhörte. Er fand Anschluß an Kurpfalz, Bayern-Landshut und Brandenburg und wurde 1459 katholisch, mußte jedoch auf Druck der Stände die dem Papst zugesagte Rekatholisierung Böhmens unterlassen und wurde daher seit 1466 ständig gebannt. Er unterstützte 1462/63 Kaiser FRIEDRICH III. gegen Ungarn, befreite ihn in Wien und erreichte damit seine kaiserliche Anerkennung. Georg erstrebte zeitweise sogar eine Reichsstatthalterschaft und wurde seit 1466 von Matthias Corvinus von Ungarn, dem er 1458 mit auf den Thron verholfen hatte und der 1456/57 sein Gefangener war, bekriegt. Er verlor nach und nach Mähren, Schlesien und die Lausitzen  an diesen, behauptete aber die böhmische Krone bis zuletzt, obwohl Matthias Corvinus 1469 in Olmütz zum König gewählt wurde. Georg setzte die Wahl des JAGIELLONEN Wladyslaw zum böhmischen König durch.
 
 
 
 

    1440
  1. oo Kunigunde von Sternberg, Tochter des Smilo zu Konopischt
          18.11.1422-19.11.1449
                           Prag

    1450
  2. oo Johanna von Rozmital, Tochter des Johann
          vor 1432-12.11.1475
                       Melnik

        Erbin von Blatna
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Boczek VII. Herr von Litice
  15.7.1442-28.9.1496

  Victorin
  29.5.1443-30.8.1500

  Heinrich I. der Ältere
  15.5.1448-24.6.1498

  Katharina
  11.11.1449-8.3.1464

 1.5.1461
   oo  Matthias Corvinus König von Ungarn
         23.2.1447-6.4.1490

  Barbara
  1444/47- nach 1469

  1. oo Heinrich Herr von Lipa
                 -   1469

  2. oo Johann Albrecht von Krzinecky
                - um 1486

  Sidonie
  11.11.1449-1.2.1510

11.11.1459
    oo Albrecht Herzog von Sachsen
         31.7.1443-12.9.1500

2. Ehe

  Heinrich II.
  17.5.1452-11.7.1492

  Ludmilla
  16.10.1456-20.1.1503

 5.9.1474
  oo Friedrich I. Herzog von Schlesien-Liegnitz
      1446-9.5.1488

  Friedrich
  1453/54-31.8.1458

  Georg Graf von Glatz
  1454/55-31.7.1459/7.12.1462
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 311,313 - Hoensch, Jörg K.: Matthias Corvinus. Diplomat, Feldherr und Mäzen. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 7,39,49-52,55,61,64,66,69-73,75,82,88,90,93,97,101,105-112.11-117,119,131,133,156,262 - Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart/Berlin/Köln 1994 Seite 177,194,196,200, 205,221 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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