Arnulf                                                       Bischof von Halberstadt (996-1023)
---------
    -7.9.1023
 

Vermutlich Sohn des Herzogs Arnulf von Bayern (Riezler) und Bruder des hochangesehenen Grafen Hermann
 

Althoff Gerd: Seite 321
***********
"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                              B 117

Lü:     7.9.   Harnoldus eps     +  1023     Halberstadt

Arnulf entstammte einem sächsischen Adelsgeschlecht und war vor seiner Erhebung zum Bischof von Halberstadt 996 Mitglied der Hofkapelle OTTOS III. Auch sein Bruder Hermann begegnet im Lüneburger Necrolog; vgl. G 58.
Im Jahre 1002 unterstützte er mit dem BILLUNGER Bernhard I. (H 4) und Bischof Bernward von Hildesheim (B 166) die Thronkandidatur Ekkehards von Meißen (G 42); siehe dazu oben Seite 106.
Er gilt dennoch in der Forschung als Anhänger HEINRICHS II., der ihm die Bewachung des Markgrafen Gunzelin von Meißen übertrug; vgl. NDB 1, Seite 393.
Allgemein Fleckenstein, Hofkapelle 2, Seite 86f.; Fritzsch, Halberstädter Bistum, Seite 21f. und FW B 150.
Zum Todesdatum: Hirsch, Jbb. Heinrichs II. 3, Seite 282.



Finckenstein, Albrecht Graf Finck von:
********************************
"Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056)"

Arnulf entstammte einem sächsischen Adelsgeschlecht und war vor seiner Erhebung zum Bischof von Halberstadt 996 Mitglied der Hofkapelle OTTOS III. Auch sein Bruder Hermann begegnet im Lüneburger Necrolog. Da es nach dem Tode des Bischofs Hildiward zu einem Streit um dessen Nachfolge kam, machte OTTO III. von dem Gewohnheitsrecht, daß er bei zwiespältigen Wahlen zu entscheiden habe, Gebrauch und erhob Arnulf, ein Mitglied seiner Kapelle, der ihm persönlich nahe stand und vornehmster Abstammung war, zum Bischof von Halberstadt. Im Jahre 1002 unterstützte er mit dem BILLUNGER Bernhard I. und Bischof Bernward von Hildesheim die Thronkandidatur Ekkehards von Meißen. Er gilt jedoch dennoch in der Forschung als Anhänger HEINRICHS II., der ihm die Bewachung des Markgrafen Gunzelin von Meißen übertrug.

Görich Knut: Seite 142,163
**********
"Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus."

Als Nachfolger Bischof Hildiwards (+ 25.11.996) setzte OTTO III. seinen Kapellan Arnulf ein, der ein verläßlicher Anhänger des Kaisers blieb. Damit waren andere Voraussetzungen für die Wiederherstellung des Bistums Merseburg geschaffen, denn die bisherigen Bischöfe hatten nach Kräften die kirchenpolitische Neuordnung im Zusammenhang mit der Gründung des Erzbistums Magdeburg behindert. Im Laufe des zweiten Italienzuges erschien in den Jahren zwischen 997 und Ende 999 auch Bischof Arnulf beim Kaiser in Rom.
Seite 169-171
Besondere Bedeutung kommt dabei der Position Bischof Arnulfs von Halberstadt (996-1023) zu. Die überlieferten Nachrichten deuten darauf hin, dass Arnulf, der bis zu seiner Bischofserhebung durch OTTO III. der Hofkapelle angehört hatte, ein enger Vertrauter des Kaisers war: Schon kurz nach seinem Amtsantritt Ende 996 erhielt Arnulf am 20. April 997 von OTTO III. den Wildbann in sechs dem liudolfingischen Hausgut zuzurechnenden Forsten verliehen; weitere umfangreiche Besitzschenkungen im Harzgau folgten 998 und 1000. Ein Vasall Arnulfs namens Liudger erhielt die Graf Richbert, dem Großonkel Thietmars von Merseburg, entzogene Grafenwürde im Harzgau. Als zuständiger Diözesanbischof weihte Arnulf im Auftrage der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg die Kirche in Quedlinburg und das von Mathilde gestiftete Nonnenkloster in Walbeck; am 9. September 999 weihte er auf Wunsch OTTOS III. dessen Schwester Adelheid zur Äbtissin des Kanonissenstifts zu Quedlinburg. Kurz darauf muß Arnulf nach Süden aufgebrochen sein, denn Anfang Dezember scheint er sich beim Kaiser in Rom aufgehalten zu haben. Mit dem von OTTO III. hochgeschätzten Bischof Heinrich I. von Würzburg stand er - möglicherweise seit der gemeinsamen Zeit in der Hofkapelle - in freundschaftlicher Verbindung. Schließlich war jener Graf Hermann, der 985 entscheidenden Anteil am Zustandekommen des Ausgleichs mit Heinrich dem Zänker hatte, möglicherweise ein Bruder Arnulfs. Insgesamt ist deshalb die Vermutung, dass Arnulf ein verläßlicher Anhänger OTTOS III. in Sachsen war, gut begründet; dazu paßt auch, dass Arnulf - zusammen mit OTTOS treuen Parteigängern Bischof Bernward von Hildesheim und Herzog Bernhard I. von Sachsen - 1002 die Kandidatur des Markgrafen Ekkehard unterstützte.
Die Rückgabe des 981 übertragenen Merseburger Burgwards an das Bistum Merseburg im Jahr 1004 läßt sich Arnulf von HEINRICH II. mit 100 Hufen Land vergüten, das weitaus größere Gebiet zwischen Unstrut und Saale jedoch, das 968 dem neugegründeten Bistum Merseburg von der Halberstädter Diözese zugeschlagen worden und 981 wieder zurückgegeben worden war, verblieb nun auf Dauer bei Halberstadt. Diese Regelung trug dem jahrzehntelangen Widerstand Halberstadts unter Arnulfs Vorgänger Hildeward (968-996) gegen die Gebietsabtretungen an Merseburg Rechnung; dieser Verzicht und der Ersatz für den Burgward Merseburg war von Arnulf also offenbar zur Bedingung seiner Zustimmung zur Wiederherstellung Merseburgs gemacht worden. Man darf davon ausgehen, dass auch OTTO III. die Vorbehalte Arnulfs kannte und in seine Planung einbezog, als er die Merseburger Angelegenheit aufgriff. Eine Kompensation für Halberstadt, die derjenigen HEINRICHS II. vergleichbar war, mußte schon OTTO III. ins Auge gefaßt haben, wenn er das Verhältnis zu Arnulf und das Merseburger Projekt nicht aufs Spiel setzen wollte. Soweit erkennbar, hatte Bischof Arnulf der Merseburger Frage wegen keinen Anlass, sich der sächsischen Adelsopposition gegen OTTO III. anzunähern.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 106,321 B 117 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 128,345 A. 34 - Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 142,163,169-171 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II., Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 Band III Seite 282 -  Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 84,85A,90,91A,124,127,128A,140A,141A  - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 142,158,196,208,236,240,244,266,302,304, 316-320,334,344,346,378,410,412,440 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 51,85,148,154,161,258,261 -