Die Leibrente im Mittelalter

Schon im Mittelalter war es schwierig mit einem geringen Einkommen ein größeres Kapital zu erwirtschaften. Große Investitionen wären daher einer breiten Schicht der Bevölkerung verwehrt gewesen, wenn es nicht die Geldleiher gegeben hätte. Als dann das kanonische Zinsverbot durchgesetzt wurde, suchte man vermehrt nach anderen Möglichkeiten im Kreditgeschäft. Die Leibrente stellte eine gute Möglichkeit dar, das Zinsrecht zu umgehen und gleichzeitig erhielten die Gläubiger mit diesem Konzept eine Sicherheit für ihr Geld.
So funktionierte die Leibrente
Wer seinen Besitz veräußern wollte und keinen Käufer dafür fand, der bar bezahlen konnte, suchte sich Partner für eine Leibrente. So wechselten Häuser den Besitzer, indem die Käufer eine monatliche Rente an den Verkäufer bezahlten. Diese Rente wurde dem Verkäufer für den Rest seines Lebens zuteil, wodurch er ein sicheres Auskommen hatte. Konnte der Käufer die Leibrente nicht bezahlen, so ging das Haus oder der Grundbesitz einfach vollständig wieder an den Verkäufer über und das unabhängig von bereits bezahlen Beträgen. Der Gläubiger konnte seinen Anspruch auf Leibrente zwar an Dritte abtreten, doch sobald der ursprüngliche Gläubiger das Zeitliche gesegnet hatte, erlosch auch der Anspruch an Dritte. Dieses Modell der Eigenheimbeschaffung war im Mittelalter durchaus üblich und nicht nur Privatpersonen nutzen diese Möglichkeit, dass hier nach kanonischem Recht ein Kauf zustande kam und das Zinsverbot nicht gebrochen wurde.
Die Geldverleiher verloren an Bedeutung
Bevor sich die Idee der Leibrente im Mittelalter flächendeckend durchsetzen konnte, waren die Geldverleiher oft die einzige Möglichkeit legal an Grundbesitz oder ein Haus zu gelangen. Erst als sich das Prinzip der Rente auf Lebenszeit immer mehr verbreitete, waren die Menschen nicht mehr auf die Geldverleiher angewiesen und die Juden, die diesem Geschäft nachgingen, konnten immer mehr vertrieben werden. Zwar barg die Leibrente für die Käufer die Gefahr, dass sie am Ende mehr zahlen mussten, als ihr Haus eigentlich wert war, doch viele Krankheiten und andere Ereignisse konnten dem Leben von Gläubigern vorzeitig ein Ende bereiten und dann wechselten Grund und Haus für wenig Geld den Besitzer. Da nicht nur Privatpersonen, sondern auch die Kirche vom Prinzip der Leibrente profitierten, interessierten sich bald auch die Stadtverwaltungen für diese Art des "zinslosen" Kredits.
Städte wurden zu Rentenkassen
Im 14. Jahrhundert vergrößerte sich der Finanzbedarf der Städte vermehrt, weil militärische Unternehmen finanziert werden mussten oder Baumaßnahmen anstanden und so entdeckten auch die Städte die Leibrente für sich. Bürger konnten ihr Vermögen der Stadt überlassen und dafür eine monatliche Rente auf Lebenszeit erhalten. Die Erbrente erweiterte das Angebot noch, denn hier konnte der Anspruch auf Rente auch an die Hinterbliebenen vererbt werden. Auf diese Art kamen die Landesherren billiger zu Geld als bei den Juden und inzwischen war das Volk der Juden auch zu größten Teilen bereits vertrieben worden, was Geschäfte mit ihnen weiter einschränkte. Hätte man damals bereits das World Wide Web und die Seite http://www.wohn-riester.net/ gekannt, wären vermutlich noch weitere Ideen entstanden, wie man einerseits der Stadt ihre Einkünfte garantieren könnte und gleichzeitig die Bürger absichern kann, doch damals musste das Prinzip von Leibrente und Erbrente reichen.
Gibt es die Leibrente heute noch?
Auch in unserer modernen Gesellschaft gibt es die Leibrente noch, allerdings ist sie nicht mehr so häufig vertreten, da andere Finanzierungsmodelle den Vorzug erhalten. Vor allem beim Hausverkauf kann die Leibrente eingesetzt werden. Dann zahlt der Käufer dem Verkäufer eine monatliche Rente anstelle des Kaufpreises, der auf einmal entrichtet werden müsste und der Verkäufer kann so sein Einkommen für den Rest seines Lebens sichern. Die Käufer dürfen auch heute noch darauf hoffen, dass der Gläubiger frühzeitig verstirbt und sie in diesem Fall einen versicherungsmathematischen Gewinn erzielen können. Bei Verträgen, die nicht an die Inflationsrate angepasst werden müssen, kann der neue Besitzer zudem darauf hoffen, dass seine Einkünfte steigen und im Gegenzug der Wert der Leibrente sinkt.




