Peter der Eremit                               Kreuzzugsprediger
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wohl 1115

Sohn des N.N.

Lexikon des Mittelalters:
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Peter der Eremit, Kreuzzugsprediger und Teilnehmer des 1. Kreuzzuges
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   wohl 1115

Stammte wahrscheinlich aus der Picardie und entfaltete als einer jener Einsiedler und Wanderprediger des ausgehenden 11. Jh., die in völliger Armut die Nachfolge Christi anstrebten, eine äußerst wirksame Predigttätigkeit. Durch seine feurige Beredsamkeit, sein von äußerster Weltverachtung zeugendes Auftreten (schmutzstarrende Kleidung und Haartracht, Ritt auf einem Esel) und wohl durch einen mitgeführten Himmelsbrief entfachte er nach dem Konzil von Clermont (1095) den Kreuzzugseifer einer wachsenden Schar von Anhängern; nach Predigten im Berry, Orléanais und in Lothringen erschien P
eter der Eremit. im Frühjahr 1096 im Rheinland (April 1096 in Köln), um von dort aus die eigtl. Kreuzfahrt zu beginnen. Die schlechtbewaffneten, weitgehend mittellosen und sozial zumeist niederen Anhänger Peters des Eremiten, die aus verschiedenen Regionen Frankreichs sowie West- und Süd-Deutschlands stammten, verkörperten in ihrer Militanz und ungezügelten Aggressivität einen (von den kirchlichen Autoritäten argwöhnisch betrachteten) Typ des Kreuzfahrers, der von den unter dem Befehl von Fürsten und hohen Adligen stehenden 'regulären' Ritterkontingenten stark abwich.
Nachdem der Ritter Walter 'sans avoir', einer der bekannteren Mitstreiter P
eters des Eremiten, ihm mit einer Abteilung vorausgezogen war, erreichte Peter der Eremit mit seiner Schar Ende Juli 1096 Konstantinopel. Begrüßt von Kaiser Alexios I., doch wegen ihrer schlechten Verfassung und Beutelust von den Byzantinern mit Mißtrauen betrachtet, ließen sich die Kreuzfahrerverbände bereits am 6. August 1096 zum Weitermarsch nach Kleinasien veranlassen. An der Grenze zum türkischen Machtbereich wurde das Hauptkontingent am 21. Oktober 1096 bei der Grenzfestung Xerigordon von einem türkischen Heer vollständig vernichtet; der Kreuzzug des niederen Volkes war damit beendet. Peter der Eremit, der sich zu diesem Zeitpunkt in Konstantinopel zu Verhandlungen aufhielt, entkam dem Gemetzel und nahm später mit den Kreuzfahrerheeren am Zug nach Jerusalem teil, wo er noch eine (begrenzte) Wirksamkeit als Prediger entfaltete. 1101 in den Westen zurückgekehrt; über seine letzten Lebensjahre ist wenig bekannt. Die Legende hat sich dieser einprägsamen Gestalt, Prototyp des militanten Wander- und Kreuzzugspredigers, bemächtigt und die Bedeutung Peters des Eremiten übertrieben; schon die späteren Kreuzzugschronisten Albert von Aachen und Wilhelm von Tyrus schrieben ihm zu Unrecht maßgebl. Einfluß auf die Kreuzzugspolitik Urbans II. zu.

U. Mattejiet